After-Holiday-Syndrom

nach dem Urlaub lustlos, gereizt und schlapp:   

 

Das After-Holiday-Syndrom

 

- neue Erkenntnisse aus den USA -

 

After Holliday SyndromGemeinhin ist man schnell bereit, Veröffentlichungen amerikanischer Wissenschaftler für besonders wichtig oder fortschrittlich zu halten. Unter der Rubrik "Aktuelle Medizin" beschäftigt sich die renommierte Münchener medizinische Wochenschrift mit neueren Arbeiten amerikanischer Psychologen, die in diesem Zusammenhang geeignet sein könnten, unseren Glauben an die Qualität der amerikanischen Wissenschaft  zu erschüttern, denn es ist kein Aprilscherz, die Amerikaner meinen es wirklich ernst.

[Dr. Peter Stiefelhagen, MMW-Fortschr. Med. Nr. 38/2009 (151.Jg.) Seite 20] 

 

Wenn ein Patient nach dem Urlaub berichtet, dass ihm der Weg zur Arbeit schwerer fällt als sonst, insbesondere wenn dann noch Lustlosigkeit, Gereizheit, Schwäche und ein vermehrtes Kommunikationsbedürfnis dazu kommen, sollte man nach Meinung amerikanischer Experten nicht leichtfertig darüber hinweggehen. Es könnte der erste Hinweis auf eine echte Erkrankung sein, die erst jetzt  als solche erkannt wurde. Rechtzeitig zum Ferienende wurde nämlich von amerikanischen Psychologen ein neues Krankheitsbild in die Diskussion gebracht - das After-Holiday-Syndrom.   

Das Krankheitsbild ist ebenso häufig wie rätselhaft und entzieht sich bisher einer genauen Erklärung. Amerikanische Psychologen fordern nun, man sollte diese psychodynamische Störung keinesfalls bagatellisieren, sondern durchaus als echte Erkrankung ansehen. Zur Prognose gibt es noch keine zuverlässigen Erkenntnisse, aber ein erhöhtes Suizidrisiko lässt sich nach Meinung amerikanischer Wissenschaftler nicht mit letzter Sicherheit ausschließen. Auch Chronifizierungen seien möglich, d.h. die Symptomatik könnte durchaus bis zum nächsten Urlaub anhalten.   

Fazit: für den Hausarzt bietet das neue Krankheitsbild bisher ungeahnte Möglichkeiten. Der Urlaubsrückkehrer, der sich enorm schwer tut, wieder in den Arbeitsprozess zurückzufinden, kann jetzt mit einer wissenschaftlichen Diagnose belegt werden, die über jeden Zweifel erhaben ist. Für mich als Arzt, der einige Jahre wissenschaftlich tätig war, drängt sich darüber hinaus die Ähnlichkeit zu einem Phänomen auf, das uns allen gut bekannt sein dürfte und das ich als After-Weekend-Syndrom bezeichnen würde. Diese oft auch mit depressiven Zügen einhergende psychische Veränderung macht vielen von uns den montäglichen Einstieg in die Woche alles andere als leicht. Leider muss ich gestehen, dass es zum After-Weekend-Syndrom bisher weder Forschungsprojekte noch wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, aber nach meiner persönlichen Einschätzung sollte es vom After-Holiday-Syndrom zum After-Weekend-Syndrom nur ein kurzer Schritt sein. Man darf die Hoffnung also nicht aufgeben: die amerikanische Forschung ist auf vielen Gebieten weltweit führend und uns weit voraus, sie wird sicher noch viele Überraschungen für uns bereithalten.    

 

HBT - 25.09.2009